Die IT-Sicherheitsrichtlinie der KBV – einfach erklärt für deine Praxis
Die IT-Sicherheitsrichtlinie der KBV – einfach erklärt für deine Praxis
In Arzt-, Zahnarzt- und Psychotherapiepraxen geht es jeden Tag um sehr persönliche Daten. Damit die gut geschützt sind, gibt es die IT-Sicherheitsrichtlinie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) nach § 390 SGB V. Für Zahnarztpraxen gibt es eine entsprechende Richtlinie der KZBV. Klingt erst mal nach viel Papier – ist aber gut machbar. Hier bekommst du einen freundlichen Überblick.
Worum geht es in der Richtlinie?
Die Richtlinie beschreibt Mindestanforderungen an die IT-Sicherheit in Praxen. Sie ist in Anlagen gegliedert, die sich nach der Größe der Praxis und besonderen Situationen richten. Grob unterscheidet sie:
| Kategorie | Kurz erklärt |
|---|---|
| Praxis | Kleinere Praxen mit wenigen Mitarbeitenden |
| Mittlere Praxis | Etwas größere Teams |
| Großpraxis | Praxen mit vielen Mitarbeitenden oder umfangreicher Datenverarbeitung |
| Zusätzliche Anlagen | etwa für medizinische Großgeräte oder dezentrale Komponenten der Telematikinfrastruktur |
Die genauen Schwellen und Anforderungen findest du direkt in der Richtlinie auf der Seite der KBV.
Typische Anforderungen
Viele Anforderungen sind gesunder Menschenverstand und schnell umgesetzt:
- Updates für Betriebssysteme und Programme zeitnah einspielen
- Virenschutz auf allen Computern
- Sichere Passwörter und, wo möglich, Zwei-Faktor-Anmeldung
- Netzwerk schützen, zum Beispiel mit einer gut eingestellten Firewall
- Backups regelmäßig erstellen und die Wiederherstellung testen
- Apps und Online-Dienste bewusst auswählen
- Geräte sicher entsorgen, damit keine Daten zurückbleiben
Wie Open Source in der Praxis hilft
Dein Praxisverwaltungssystem bleibt natürlich, wie es ist. Für vieles drumherum kann Open Source aber eine schöne Lösung sein:
| Aufgabe | Open-Source-Lösung | Vorteil |
|---|---|---|
| Dokumente und Dateiablage | Nextcloud | Daten auf einem Server, den du kennst |
| Interne Kommunikation | Element (Matrix) | Verschlüsselt, auf eigenem Server |
| Passwörter | Vaultwarden | Sichere Passwörter für das ganze Team |
| Backups | z. B. Restic oder BorgBackup | Verschlüsselt und automatisiert |
Gerade bei Gesundheitsdaten fühlt es sich gut an, zu wissen, wo alles liegt – etwa auf einem kleinen Server in der Praxis oder in einem deutschen Rechenzentrum.
Ein entspannter Fahrplan
- Kategorie bestimmen: Welche Anlagen gelten für deine Praxis?
- Liste machen: Geräte, Programme, Dienste.
- Grundlagen umsetzen: Updates, Virenschutz, Passwörter, Backups.
- Team mitnehmen: Eine kurze Runde zu verdächtigen E-Mails wirkt Wunder.
- Dokumentieren: Eine kurze Übersicht, was umgesetzt ist.
Für die Umsetzung kannst du dir Hilfe holen. Die KBV nennt in diesem Zusammenhang auch zertifizierte Dienstleister. Was für deine Praxis genau gilt, klärst du am besten mit deiner Kassenärztlichen Vereinigung.
Kurz erklärt: ein paar Begriffe
- SGB V: Das Fünfte Buch Sozialgesetzbuch, das die gesetzliche Krankenversicherung regelt.
- Telematikinfrastruktur (TI): Das sichere Netz des Gesundheitswesens, etwa für E-Rezept und elektronische Patientenakte.
- Konnektor: Das Gerät, das die Praxis mit der Telematikinfrastruktur verbindet.
- Firewall: Ein Schutz, der regelt, welche Verbindungen ins Netzwerk hinein und hinaus erlaubt sind.
Ein Beispiel aus einer Psychotherapiepraxis
Eine Psychotherapeutin arbeitet allein mit einer Teilzeitkraft für die Verwaltung. Sie geht die Anforderungen für kleine Praxen in Ruhe durch und stellt fest, dass vieles schon passt. Ein paar Punkte nimmt sie sich vor:
- Automatische Updates für Computer und Handy einschalten.
- Einen Passwort-Manager einführen und alle Zugänge dort ablegen.
- Regelmäßige, verschlüsselte Backups auf einen zweiten Datenträger einrichten.
- Das WLAN für Patient:innen vom Praxisnetz trennen.
- Eine kurze Übersicht anlegen, was umgesetzt ist.
Nach zwei Nachmittagen ist alles erledigt. Einmal im Jahr schaut sie die Liste wieder durch.
Häufige Fragen
Muss ich die Richtlinie auswendig kennen? Nein. Es reicht, die für deine Praxis passenden Anforderungen einmal durchzugehen und die Umsetzung zu dokumentieren.
Brauche ich teure Spezialsoftware? Für viele Anforderungen nicht. Bordmittel des Betriebssystems und bewährte Open-Source-Werkzeuge decken einen großen Teil ab.
Hinweis
Ich bin IT-Dienstleister und externer Informationssicherheitsbeauftragter, aber keine Rechtsberatung. Bei der praktischen Umsetzung helfe ich dir gern – mehr unter Beratung und Support.
Fazit
Die IT-Sicherheitsrichtlinie klingt größer, als sie ist. Mit einer guten Liste, ein paar soliden Grundlagen und Werkzeugen, bei denen du weißt, wo deine Daten liegen, ist deine Praxis gut aufgestellt.
Wenn du das auch ausprobieren magst, helf ich dir gern dabei – schreib mir einfach.
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